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fetisch Aeon Händler
Geschlecht:  Anmeldungsdatum: 22.12.2010 Beiträge: 279
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Verfasst am: 27.12.2010, 13:59 Titel: Die Pest |
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Die Pest
Die bekannteste Krankheit die im Mittelalter Verbreitung fand war die Pest, der schwarze Tod (große Pestepidemie: 1347-51 in Europa). Als Ursache der Pest vermutete man im Mittelalter wie auch bei anderen Krankheiten Veränderungen der Luft, giftige Dünste und schlechte Sternenkonstellationen. Das berühmte Pariser Gutachten von 1348 erklärte das Auftreten der Krankheit damit, dass am 20. März des Jahres 1345 die drei oberen Planeten im Hause des Wassermanns zusammentraten, um eine besonders feuchte und gefährliche Ausdünstung auszustrahlen, die sich in der Lunge zu einer giftigen Materie zusammenballte, die die Pest erzeugen sollte.
Die meisten Menschen des Mittelalters konnten sich das Auftreten der Pest nicht erklären. Um ihre Angst zu bewältigen, wurde die Schuld auf andere geschoben. Der Zorn der Bevölkerung richtete sich gegen Ausländer, Krüppel, Bettler, Zigeuner und gegen die Juden. Die Juden wurden beschuldigt die Brunnen vergiftet zu haben, dass die Juden selbst an der Pest erkrankten und auch starben, galt kaum als Beweis für deren Unschuld. Was tun die Ärzte? Sie glaubten, die Ursache sei eine Vergiftung der Luft, und rieten den Menschen, Türen und Fenster zu verriegeln oder auf Höhen Zuflucht zu suchen. Obskure Ratschläge machten die Runde. So sollten beispielsweise die Fenster nur nach Norden geöffnet werden, Schlaf zur Tageszeit war verboten, schwere Arbeit verpönt. Als gefährlich galt feuchtschwüles Klima und Südwind, die Luft über stehenden Gewässern aller Art.
Menschen mit Beulenpest
Die Beulenpest war einer der Schrecken der mittelalterlichen Menschen. Auf dem Bild erkennt man zwei Erkrankte, es ist jedoch wahrscheinlicher, dass hier die Pocken abgebildet sind - von der Lage und Größer der Beulen her.
Die Religion bot vielen Menschen eine Erklärung für die Pest und andere Krankheiten. Der Körper war ein Werkzeug, das dem Menschen bei der Erfüllung seines gottesfürchtigen Alltagswerkes dienen sollte. War man gesund, so galt das als Zeichen der Gnade Gottes und als Hinweis darauf, dass Gott mit einem zufrieden war. War man aber krank, konnte das entweder als Prüfung Gottes verstanden werden, oder aber als Strafe für eine falsche Lebensführung. Die „natürlichen“ Krankheiten, wie die Seuchen, die auch über „gute“ Menschen hereinbrechen konnten wurden mehr als Prüfung Gottes verstanden. Wer sie überlebte bewies das Wohlgefallen, das Gott mit ihm hatte. Anders die Lepra (Aussatz), sie wurde als Krankheit gesehen, deren Auftreten man durch sein eigenes Verhalten verschuldet hatte. Lepra galt als Krankheit die durch Geschlechtsverkehr übertragen wurde und als Strafe Gottes. Auch brachte man das Auftreten der Symptome (Verdickung der Haut, Schädigung des Kehlkopfs und Empfindungsstörungen) mit dem schlechten Klima und verdorbenem Essen in Verbindung.
Quelle: http://www.deutschland-im-mittelalter.de/ernaehrung.php |
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Geschlecht:  Anmeldungsdatum: 22.12.2010 Beiträge: 279
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Verfasst am: 28.12.2010, 13:18 Titel: Ausbreitung |
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Die Pest gilt noch heute als die schlimmste Krankheit der Geschichte. Dies zu Recht: bei der großen Pestepidemie, die 1347 bis 1351 Europa heimsuchte, erlag ein Drittel der gesamten Bevölkerung dem Schwarzen Tod.
Doch schon viel früher wütete die "große Seuche", sogar in der Bibel ist sie im Alten Testament erwähnt. Und auch in der Antike suchte sie sich ab 1080 v. Chr. regelmäßig ihre Opfer. Sogar römische Kaiser (Marc Aurel) entrannen ihr nicht.
Ausbreitung
Die große Pestwelle wurde jedoch erst im 14. Jahrhundert durch folgende Begebenheit eingeleitet: die tatarischen Reiterhorden unter Khan Djam Bek belagerten das reiche genuesische Handelszentrum Kaffa am Schwarzen Meer. Nach dem Ausbruch der Pest unter seinen Soldaten ließ der Khan die Pestleichen über die Stadtmauer in die Stadt katapultieren. Nach dem Abzug der Tataren nahm Kaffa den Handel wieder auf, und der mörderische Vormarsch des "Schwarzen Todes" begann: über Konstantinopel erreichte er Sizilien, wenig später Pisa, und damit ganz Norditalien, von wo er sich nun nordwärts über ganz Europa verbreitete. Diese Pandemie wütete zwischen 1347 und 1351 zwischen Grönland und Konstantinopel und kostete 25 Millionen Menschen das Leben, das heisst einem Drittel der damaligen Bevölkerung des Abendlandes. Von nun an erreichte die Pest (lateinisch = Seuche, Unglück, Verderben) alle neun bis zwölf Jahre einen neuen Höhepunkt. Ausbrüche ereigneten sich, besonders regionale, jedoch jährlich. Somit wurden zum Teil ganze Landstriche entvölkert. Und auch in Städten wie beispielsweise Bremen betrug die Todesrate bis zu 70%.
Pest Ausbreitung lehnswesen.de
Ursache
Als Ursache der Pest vermutete man im Mittelalter wie auch bei anderen Krankheiten Veränderungen der Luft, giftige Dünste, Schwärme von unsichtbaren Insekten, deren Eindringen in den Blutkreislauf Veränderungen im Körper zur Folge haben sollte. Daneben wurden auch die Juden als angebliche Brunnenvergifter für die großen Epidemien verantwortlich gemacht, was im Zuge der zweiten großen Pestwelle im 14. Jahrhundert zu Ausschreitungen und Pogromen führte.
Die Pesterkrankung
Beim Menschen tritt die Krankheit, entsprechend der Übertragungsform und Verlauf, in unterschiedlicher Ausprägung auf. Dabei unterscheidet man zwischen drei Formen der Pest: der Beulenpest, der Lungenpest und der Pestsepsis. Am bekanntesten ist die Beulenpest (Bubonenpest); sie trägt ihren Namen, weil die Erkrankten an Leistenbeugen, Achselhöhlen oder Hals charakteristische Beulen bekommen – vergrößerte, entzündete Lymphknoten. Übertragen wird die Beulenpest am häufigsten durch den Biss verschiedener Insekten, die gewöhnlich als Parasiten auf Nagetieren leben und sich einen neuen Wirt suchen, wenn der bisherige stirbt. Das wichtigste dieser Insekten ist der Rattenfloh Xenopsylla cheopis, der als Parasit Wanderratten befällt. Bei der Lungenpest ist die Lunge der wichtigste Infektionsherd; hier erfolgt die Ansteckung durch Tröpfchen-infektion von einer bereits infizierten Person. Die Pestsepsis (Pestseptikämie) tritt nicht nur als Komplikation der Beulen- und Lungenpest, sondern auch in primärer Form ohne andere Symptome auf. Daneben sind auch milde Verlaufsformen mit abgeschwächter Symptomatik möglich (abortative Pest). Zur Pestsepsis kommt es, wenn Pestbakterien durch die Lunge in die Blutlaufbahn geraten und sich dort massenhaft vermehren. Die Pestsepsis kann auch unmittelbar entstehen, wenn verunreinigte Hände, Lebensmittel oder Gegenstände mit der Mund- oder Rachenschleimhaut in Berührung kommen.
Quelle: http://www.lehnswesen.de/page/html_pest.html |
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Geschlecht:  Anmeldungsdatum: 22.12.2010 Beiträge: 279
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Verfasst am: 28.12.2010, 13:20 Titel: Bekämpfung der Pest |
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Da im Mittelalter über die Pest recht wenig bekannt war, wurden zu ihrer Bekämpfung vielfältigste Mittel angewandt: zur "Desinfektion" wurde von Essig, Rauch, Schwefel und Parfum (später wurde daraus das weltberühmte "Echt Kölnisch Wasser" entwickelt!) Gebrauch gemacht. Doktoren in dicken Kostümen und mit Schnabelmasken öffneten die Pestbeulen der Kranken und ließen Eiter und Blut abfließen. Furchtlosigkeit wurde als oberstes Mittel gegen die Pest gepriesen. Mehr als fünfzig verschiedene Pestheilige (darunter besonders der Heilige Sebastian und der Heilige Rochus) wurden angerufen. Isolation und Quarantäne wurden eingesetzt. Dies erwies sich als etwas vom Wenigen, das wirksam war. Jede Stadt führte die Quarantäne, normalerweise vierzig Tage lang, an allen Fremden durch und Kranke wurden isoliert. Ein schlechtes Zeichen waren die Pestkarren, die die Toten gleich Karrenweise aus der Stadt zu den Pestlöchern transportierten: Zeichen dafür, dass an einem Tag oft Tausende von Toten weggebracht werden mussten. In diesen Pestlöchern fanden Massenbeerdigungen auf zum Teil makaberste Art und Weise statt: die Toten wurden lagenweise in die Löcher geworfen, mit Erde bedeckt, um darauf die nächste Lage Tote zu werfen. Wurden die Toten noch einzeln beerdigt, so kamen spezielle Pestsärge zum Einsatz: sie besaßen an der Unterseite zwei Klappen, durch die der Tote ohne großen Aufwand ins Grab befördert werden konnte, und der Sarg war einsatzbereit für den nächsten Toten.
Auszug aus einer Pestnacht in Naundorf
Es ist gegen Abend, die Sonne ist hinter dem Totenberg untergegangen. Dunkelheit liegt über der Stadt, bedrohlich und düster wirkt die Stadtmauer, nur ab und zu brennt eine Fackel und erleuchtet einen kleinen Kreis. Ein Wärter steht am Tor an der Unterpforte und versucht mit seiner Laterne die Dunkelheit zu vertreiben. Nicht nur die Stadt liegt im Dunkeln, auch die Stimmung der Menschen ist niedergedrückt. Die Pest hat Naundorf im Griff. Aus der Dunkelheit in Richtung Untergasse hört man Stimmen die rufen: "Bringt die Toten raus." Der Pestkarren kommt, die Räder mit Lumpen umhüllt um die Geräusche zu dämpfen und um die Nerven der Menschen zu schonen. Die Pestknechte haben an diesen Abend viel zu tun, fast an jedem Haus müssen sie halten um die Toten, die in mit schwarzem Blut durchtränkten Leinentüchern gewickelt sind auf den Karren zu legen. Langsam fährt der Karren zum Untertor um dann im Dunkeln zu verschwinden. Die Toten werden außerhalb der Stadt verscharrt, ihr Hab und Gut verbrannt.
Quelle: http://www.lehnswesen.de/page/html_pest.html |
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Geschlecht:  Anmeldungsdatum: 22.12.2010 Beiträge: 279
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Verfasst am: 28.12.2010, 13:21 Titel: Soziale Auswirkungen der Pest |
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Die großen Seuchenzüge des Mittelalters hatten auch vielfältige soziale Auswirkungen zur Folge: die Menschen verließen ihre Familien und Freunde, um sich vor einer Ansteckung zu schützen, und der Egoismus begann, um sich zu greifen. Besonders Adelige und Kleriker konnte sich die Flucht leisten und waren die ersten, die ihre Heimat verließen. Durch den somit entstandenen Mangel an Ärzten und Priestern wurde die Not im Volke nur noch größer. Die Leute wurden nicht mehr behandelt und gepflegt, erhielten die Sakramente, besonders die Letzte Ölung, nicht mehr und starben physisch und psychisch total abgewrackt.
Teilweise ereigneten sich gar richtige Tragödien. Mütter schlugen ihre Kinder zu Tode, damit diese nicht den brutalen Tod sterben mussten, Männer beerdigten sich selbst bei lebendigem Leibe, um nicht vor dem Sterben von Mäusen, Ratten oder Würmern angefressen zu werden.
Die Obrigkeit begann, Menschenansammlungen, darunter sogar Gottesdienste, zu verbieten, was dazu führte, dass die Absolution aus der Ferne erteilt wurde und das Abendmahl auf zwei Meter langen Löffeln gereicht wurde. Auch erste Hygienevorschriften wurden in dieser Zeit erlassen.
Allerdings versuchten die Behörden vielerorts das Auftreten der Seuche zu verheimlichen und wenn nötig zu vertuschen, man wollte die Handelsbeziehungen mit anderen Städten nicht gefährden und die Panik im Volk möglichst verhindern.
Viele Leute lebten nun, im Angesichte eines furchtbaren Todes, viel bewusster, was auch erfreuliche Auswirkungen zur Folge hatte. So stammen die prächtigsten Beispiele von Prozessionen und Umgängen aus der Zeit des Barock und sind eine direkte Reaktion auf die große Zahl von zum Teil Tausenden von Toten täglich. Diese wunderbaren Prozessionen zu Ehren verschiedener Heiliger und der Gottesmutter Maria führten durch sämtliche Strassen der Stadt, wurden von allen einigermaßen gesunden Einwohnern besucht und dauerten meist den ganzen Tag. Währenddieser Tage läuteten die Kirchenglocken ununterbrochen und Tausende von Gebeten wurden zum Himmel geschickt.
Manche Leute blieben den ganzen Tag in der Kirche, andere begannen ihre Sünden zu beichten und sich dafür zu geißeln (Flagellanten); Judenverfolgungen griffen um sich, vielerorts wurden sämtliche Haustiere geschlachtet, Totentänze wurden aufgeführt, Plünderungen waren an der Tagesordnung. Auch missbrauchten einige Herrscher die Panik in der Bevölkerung für ihre eigenen Interessen.
Quelle: http://www.lehnswesen.de/page/html_pest.html |
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Geschlecht:  Anmeldungsdatum: 22.12.2010 Beiträge: 279
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Verfasst am: 01.01.2011, 15:42 Titel: Die Geschichte der Pest |
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ur Regierungszeit des römischen Kaisers Justinian (527 - 565) drang die erste große Pestwelle im Oktober 541, von Äthiopien oder Arabien ausgehend, über den Schiffsverkehr ins Mittelmeergebiet vor und reduzierte die Bevölkerung dort um ungefähr 40%. Am 23.3.544 erklärte der Kaiser die Pest endlich für besiegt. Aber sie schwelte noch immer in Dalmatien und Kleinasien. Viele kleinere Pestzüge folgten, bis von 740 - 750 der zweite große Pestausbruch für Schrecken und Angst sorgte.
Der dritte große Pestausbruch 1346 - 1352 aber übertraf alle früheren Pestepidemien. Die Krankheit blieb nämlich nicht wie bisher hauptsächlich auf das Mittelmeergebiet beschränkt.
Um 1346 lebten in Europa, in Nordafrika und in den angrenzenden Regionen des Nahen Ostens ungefähr 100 Millionen Menschen. Ein Drittel von ihnen überlebte die Pest nicht. Der Krankheitsherd befand sich diesmal in Zentralasien. Durch Pelzhändler gelangten die tödlichen Bakterien im Jahre 1346 über verseuchte Murmeltierpelze, die über und über mit Pestflöhen angereichert waren, über die Seidenstraße und den Norden des Kaspischen Sees nach Astrachan.
Von dort ging es weiter über Kaffa, einer Genueser Handelsniederlassung am Schwarzen Meer, nach Pera, dem Vorort von Konstantinopel, wo schon große Handelsschiffe auf die tödliche Fracht warteten. Im Sommer 1347 forderte die Pest ihre ersten Todesopfer in Konstantinopel, auf den griechischen Inseln, an den Küsten Anatoliens und des Balkans. Ende September 1347 brach die Pest in Messina, im Oktober 1347 in ganz Sizilien und an Allerheiligen 1347 in Marseille und Ende 1347 in Alexandria, Kairo, Gaza, Beirut, Damaskus und Marokko aus. Anfang 1348 wurden Tunis, Sardinien, Spanien, Süd- und Westeuropa, im Juli 1348 zunächst nur Trient, dann Kärnten und das Inntal und im August 1348 die Britischen Inseln mit den tödlichen Bakterien konfrontiert. Gegen Ende des Jahres 1348 wurden die lothringischen Städte, 1349 Norddeutschland und Dänemark, 1351 Polen und 1352 Rußland heimgesucht. Nur wenige Gebiete blieben von der Seuche verschont wie z.B. das südliche Oberschlesien, das westliche Böhmen, die Niederlande, die nördlichen Bereiche Skandinaviens und die Stadt Mailand.
In Deutschland wütete die Pest von 1349 - 1351.
1351 schrieben die Ratsschreiber von Lübeck 6 966 Namen in das Totenbuch. Ungefähr 35 % der Lübecker Einwohner fanden innerhalb eines Jahres ihren Tod. In Paris mit seinen 100 000 Einwohnern starb die Hälfte der Stadtbevölkerung, Florenz verlor fast vier Fünftel seiner Einwohner.
1356 brach in Deutschland erneut die Pest aus und verbreitete sich wieder rasch in Europa. Diese "Kinderpest", wie sie von den Historikern genannt wird, forderte besonders viele Opfer unter den Kindern und Jugendlichen, die im Gegensatz zu den Erwachsenen, die die Pestepidemie von 1349 - 1351 überlebt hatten, gegenüber dem Krankheitserreger nicht immun waren.
Die Pest erschien mit schrecklicher Regelmäßigkeit immer wieder in Europa. Von 1326 - 1400 gab es insgesamt 32, von 1400 - 1500 41, von 1500 - 1600 30 Pestjahre!
Besonders schwere Pestepidemien wüteten in Europa in den Jahren 1563 - 1569, während des Dreißigjährigen Krieges von 1629 - 1644, in London im Jahre 1665, in Wien von 1678 - 1681, in Marseille und in der Provence von 1720 - 1722.
Der letzte große Pestausbruch fand in Indien statt und forderte in Bombay 1898 sechs Millionen Menschenleben! In Europa flackerte die Seuche zum letztenmal im Jahre 1902 in Südengland und Marseille auf. Heute lebt der Pestbazillus noch endemisch und unauffällig in Nordindien, Kurdistan, Westarabien, in der Gobi-Wüste, in Uganda, in Südafrika, in Südamerika, in Ostasien und im Südwesten der USA. Im September 1994 brach die Pest jedoch erneut in Indien aus. Sicher sind wir Menschen vor ihr nie!
Quelle: http://www.kleio.org/de/geschichte/alltag/kap_X61.html |
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fetisch Aeon Händler
Geschlecht:  Anmeldungsdatum: 22.12.2010 Beiträge: 279
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Verfasst am: 01.01.2011, 15:44 Titel: Die Pest als Strafe Gottes |
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Die Menschen des 14. Jh. erklärten sich den Ausbruch der Pest folgendermaßen:
"Im Oktober 1348 bat (der französische König) Philipp VI. die medizinische Fakultät der Universität von Paris um einen Bericht über das Unheil, das das Überleben der menschlichen Rasse zu bedrohen schien. Mit gründlicher These, Antithese und Beweisführung machten die Ärzte die Dreierkonstellation aus Saturn, Jupiter und Mars verantwortlich, die am 20. März 1345 in einen 40-Grad-Winkel zu Aquarius getreten sei... Das Urteil der Pariser Gelehrten wurde als offizielle Begründung für die Seuche anerkannt."
Dabei muß man wissen, daß im Mittelalter die Konjunktion von Saturn und Mars grundsätzlich "Tod" und die Konjunktion von Jupiter und Mars stets "warme Lüfte und Pest" bedeuteten! So mußten die Pariser Wissenschaftler letztendlich zu ihrer Behauptung gelangen!
Die Bevölkerung konnte mit dieser "wissenschaftlichen" Erklärung, daß die besondere Planetenkonstellation für den Pestausbruch verantwortlich wäre, natürlich nichts anfangen. Sie vermutete in der Pest, die sie sich als kleines blaues Flämmchen, als Tier oder Dämon vorstellten, die Strafe Gottes für die vielen Sünden der Menschen.
"Die Skandinavier glaubten, daß eine Pestjungfer dem Mund des Toten als kleine blaue Flamme entsprang und durch die Luft flog, um das nächstliegende Haus zu infizieren. In Litauen glaubte man, daß die Pestjungfrau rote Tücher in Fenster und Türen flattern ließ, um die Pest einzulassen. Ein tapferer Mann hat der Legende zufolge mit gezogenem Schwert an seinem Fenster gewartet, bis er die Hand mit dem wehenden Tuch entdeckte, um sie abzuschlagen. Er selbst starb an dieser Tat, bewahrte aber sein Dorf vor der Pest, und das Tuch wurde lange als Reliquie in der örtlichen Kirche verehrt."
Flagellanten traten während der Pest von 1348 - 1352 in sämtlichen großen Städten in Deutschland, in Flandern und in Frankreich auf und schlugen sich vor dem Publikum mit ihren Geißeln blutig, die mit eisernen Kreuzspitzen bestückt waren. Überall waren ihre wohlgeordneten Prozessionen zu sehen. In der Regel zogen 200 - 300 Flagellanten in Zweierreihen, bekleidet mit kurzen Lendenschürzen oder mit ärmellosen Sacktüchern, die sie wie ihre Hüte mit roten Kreuzen versehen hatten, bewaffnet mit ihren Peitschen, mit dem Blick gen Boden gerichtet, barfuß an den neugierigen Stadtbewohnern vorbei. Vor ihnen liefen die Anführer und Vorsänger, ausgestattet mit Kerzen und prächtigen Fahnen aus Goldstoff oder Samt. Die Kirchen läuteten anfänglich noch bei ihrem Erscheinen. In den Hallen der Gotteshäuser schlugen sich die Flagellanten die Rücken blutig, so daß diese blaufarbig entstellt aufschwollen. Das Blut lief nach unten ab oder bespritzte die nahen Wände der Kirche. Zuweilen trieben sie die eisernen Stacheln ihrer Geißeln so tief in ihr Fleisch, daß sie dieselben erst beim zweiten Versuch herausziehen konnten. Dazu schrien sie, heulten sie laut und riefen Gott um Vergebung und die Heiligen um Hilfe!
Diese fanatische Bewegung fand nicht nur Zulauf bei den Armen, sondern auch reiche Herren und Damen schlossen sich ihr an.
Die Flagellanten wurden von einem Laienmeister geleitet, dem sie zu Gehorsam verpflichtet waren. Sie durften sich nicht waschen noch rasieren, weder ihre Kleider wechseln noch in Betten schlafen und auch nicht ohne Erlaubnis ihres Anführers mit dem anderen Geschlecht sprechen, geschweige denn verkehren. Frauen begleiteten die männlichen Flagellanten in einem getrennten Zug. Meistens bildeten sie den Schluß einer solchen Bußprozession. Die Stadtbewohner begrüßten diese Geißler mit Ehrfurcht und boten ihnen die Gastfreundschaft an. Man tauchte seine Tücher in ihr Blut und verehrte diese dann als Reliquien, die Schutz vor der Pest gewähren sollten. Im Laufe der Zeit beanspruchten die Meister wie die Priester das Beichtrecht, erteilten die Absolution oder legten den Bürgern Bußen auf. Damit griffen sie nicht nur die Autorität der Geistlichkeit an, sondern dezimierten auch die finanziellen Einnahmen der Kirche. So verbot Papst Klemens VI. 1349 die Bewegung und ließ die Widerspenstigen als "Meister der Irrlehre" hängen oder köpfen. 1357 war diese Flagellanten-Bewegung schließlich endgültig verschwunden.
Die Menschen versuchten sich jedoch vor der Pest auch ohne Hilfe der Flagellanten zu schützen, indem sie sich mit Amuletten und Kreuzen behingen oder Zaubermixturen zu sich nahmen. Die städtischen Wächter errichteten derweil in jeder Gasse und auf jedem Platz große Scheiterhaufen, um die Luft von den giftigen Pestdünsten zu reinigen. Tonnen aus Eichen- und Wacholderholz wurden angezündet und loderten Tag und Nacht. Die Reichen verließen die Städte und begaben sich auf ihre Sommersitze auf dem Lande. Diejenigen, die in der pestverseuchten Stadt bleiben mußten, hielten Gefäße oder Schwämme mit wohlriechenden Kräutern und anderen Spezereien unter ihre Nasen, um ja dem Pestdünsten entgehen zu können.
Die Kirchen wurden wieder eifrig besucht, und der Rat befahl seinen Bürgern, jeden Morgen und jeden Abend zu beten und ordnete zudem Buß- und Fastentage an, an denen man öffentlich seine Sünden bekennen sollte. Außerdem trank man Theriak, ein opiumhaltiges Arzneimittel, das aus 70 unterschiedlichen Stoffen zusammengebraut wurde und als Universalheilmittel galt, oder nahm das sogenannte Priestersalz zu sich, eine Mischung aus gebranntem Salz und zahlreichen aromatischen Arzneien.
Infizierte Familien durften 40 Tage lang ihre Häuser nicht verlassen; auf noch gesunde Familienmitglieder wurde dabei keine Rücksicht genommen. Die Häuser der Kranken wurden an ihren Türen mit einem roten Kreuz gekennzeichnet und Tag und Nacht durch Wächter streng bewacht, die die betroffenen Menschen jedoch auch mit Lebensmitteln zu versorgen hatten.
Jeden Morgen und jeden Abend erschienen die Totengräber entweder mit ihrem Karren oder ihren Holzbahren und lasen die vor den Häusern liegenden Toten, die z.T. aus den Fenstern auf die Straße geworfen wurden, mit ihren Stöcken auf. Anfänglich nahm man sich noch die Zeit, die Leichen in grüne Tücher zu hüllen, später lagen auf solchen Karren ganze Familien unbedeckt. Die Totenglocke war schließlich ständig am Läuten. Die Leichen, teilweise schon verwest und zerfallen, wurden in riesige Gruben gekippt und mit Kalk und Erde bedeckt.
Die Inkubationszeit lag bei 15 Tagen. Die Krankheit selbst kündigte sich zuerst mit starkem Schwitzen, leichtem Fieber, einem Gefühl von Mattigkeit, schweren Kopfschmerzen und Schmerzen an den Gelenken, unter den Achselhöhlen und an den Leisten an. Diese Schmerzen nahmen zu. Außerdem stellte sich Übelkeit ein. Letztendlich bildeten sich pflaumengroße, schwach purpurfarbene Geschwülste in den Leisten, in den Achselhöhlen, im Nacken und in den Ellenbogen. Drei Tage später traten zu diesen Beulen noch linsengroße schwarze oder blauschwarze Flecken auf, die den ganzen Körper bedeckten. Das Fieber war in diesem Stadium so hoch, daß die Erkrankten oft ins Delirium verfielen oder Selbstmord wegen der starken Schmerzen begingen. Platzten die Beulen auf und gaben sie ihre grüne, unangenehm riechende Flüssigkeit ab, dann ließen das Fieber und die Schmerzen endlich nach. Der Kranke konnte nun wieder hoffen, weiterhin unter den Lebenden weilen zu dürfen.
Im Gegensatz zu dieser beschriebenen Beulenpest verlief jedoch die Lungenpest fast immer tödlich. Sie kündigte sich durch heftige Brustschmerzen und durch Blutspucken an. Beulen und Flecken traten nicht auf. Der an ihr Erkrankte verlor durch eine Zungenlähmung die Sprache und litt unter großem Durst, bis er schließlich in einen betäubenden Schlaf verfiel. Der Tod trat spätestens drei Tage nach Ausbruch der Krankheit ein.
Quelle: http://www.kleio.org/de/geschichte/alltag/kap_X62.html |
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Geschlecht:  Anmeldungsdatum: 22.12.2010 Beiträge: 279
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Verfasst am: 01.01.2011, 15:45 Titel: Eine spätmittelalterliche Pestvorschrift |
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"Das beste Heilmittel gegen die Pest nach den Doktoren von Paris, Montpellier und Bologna, mehrfach mit Erfolg angewandt und für wahr befunden. Und es ist niemals beobachtet worden, daß nicht alle gerettet und von der Pest befreit wurden, die das folgende Regiment eingehalten haben.
Als erstes soll sich jeder von Unmäßigkeit im Essen und Trinken hüten, davor, zu lange wach zu sein, anstrengende schwere Arbeit zu verrichten, ins Schweiß- oder Wasserbad zu gehn, häufig und lange in Menschenansammlungen sich aufzuhalten, lange zu fasten, nachts viel auf der Straße herumzulaufen (oder) häufigen Umgang mit Frauen zu haben. Zorn, Unzufriedenheit, Traurigkeit des Herzens, alle Baumfrüchte mit Ausnahme der sauren: all das soll man vermeiden, soweit man das kann und vermag, und man soll fröhlich sein und niemals allzu ängstlich. Auch soll man vor allem seinen Frieden mit Gott machen, denn wer Frieden mit Gott hat, der hat vor der Pest viel weniger Angst. Auch muß man gutes Essen zu sich nehmen und gute Getränke; man darf nicht zu früh aufstehen und die Fenster und Türen frühmorgens nicht öffnen, ehe die Sonne nicht eine Weile geschienen hat. Auch ist ferner gut, daß einer, wenn er reich ist, ein kräftiges Feuer von trockenem Holz morgens und abends in seinem Zimmer brennen läßt.
Des weiteren soll man viel Weinessig zu sich nehmen, wann immer man kann. Auch ist es gut, morgens, ehe man aus dem Hause geht, Hände, Nase und Ohren mit Rosenwasser und Weinessig einzureiben...
Was die Arzneien (betrifft), die man dagegen nehmen soll, so handelt es sich um Theriak, Pest-Pillen, Rosen-Zubereitungen sowie gepulvertes electuarium liberaus; und zwar (soll man) dabei folgendermaßen (vorgehen), nämlich fünf Tage nacheinander morgens das Pulver (nehmen), am sechsten Tag Pillen, am siebten Tag Theriak: und von dem soll man eine Stunde nach Mitternacht so viel wie eine Bohne mit einem Löffel Wein einnehmen und danach neun Stunden fasten...
Und wenn der Fall eintritt, daß jemand infolge schlechter Lebensführung die Pest bekommt, der soll sich unverzüglich dreifach purgieren, eh' er etwas ißt oder trinkt bzw. schläft, und zwar auf folgende Weise: Als erstes soll er unverzüglich zu derjenigen Ader lassen, die der Stelle, wo er die Pestbeule fühlt, am nächsten liegt und zwar auf ebenderselben Seite (denn niemals darf man an der gesunden Seite (zu Ader lassen) und (so den Krankheitsstoff) am Herzen vorbeileiten: das wäre tödlich!), und man soll eine große Menge Blut lassen nach Anweisung des Arztes, der das Lassen besorgt, und diesen Aderlaß darf man keinen Augenblick hinauszögern; man muß ihn vornehmen, so früh wie sich das einrichten läßt. Zweitens ist nach dem Aderlassen eine Arznei angezeigt, die soll man anschließend nehmen für den Fall, daß vom Pesthauch der Luft etwas im Körper zurückgeblieben sein sollte; und die nimmt man dann ein, und sie führt zu starken Schweißausbrüchen und treibt das Gift hinaus durch die Poren der Haut. Und dies sind die alleredelsten köstlichsten Arzneien, die je gefunden wurden gegen die obengenannte Krankheit. Am wichtigsten ist freilich, daß man vor dem Pestfieber Reißaus nimmt, denn die Krankheit ist sehr ansteckend."
Die beste Prophylaxis war: fuge, recede, redi! Fliehe, weiche, kehre zurück. Was auch viele reiche Bürger, sobald der erste Pestfall in ihrer Stadt gemeldet wurde, taten. Die weniger vermögenden versuchten sich – wie bereits erwähnt – mit Präservativmitteln zu schützen. So nahm man das Pulver von gedörrten und geriebenen Kröten zu sich, trug solche gedörrten Kröten in Säckchen genäht als Amulette auf der Brust oder stellte Salben aus gedörrten Kröten, Spinnen und Skorpionen her. Auch das Riechen an Böcken und das Einatmen des Gestanks toter Hunde wurde empfohlen.
Quelle: http://www.kleio.org/de/geschichte/alltag/kap_X63.html |
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Geschlecht:  Anmeldungsdatum: 22.12.2010 Beiträge: 279
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Verfasst am: 01.01.2011, 15:46 Titel: Der Pesterreger und der Infektionsverlauf |
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Der Pesterreger wurde 1894 vom französischen Bakteriologen Alexandre Yersin entdeckt. Es handelt sich bei dem Erreger um ein gramnegatives stäbchenförmiges Bakterium, Yersinia pestris genannt, das durch den Flohbiß injiziert oder beim Kratzen mit dem Flohkot in die Haut eingerieben wird. Auch durch Tröpfcheninfektion und die Aufnahme von verseuchten Nahrungsmitteln kann die Krankheit übertragen werden. 1898 wurde erstmals die Rolle des Hausrattenflohs bei der Pestausbreitung entdeckt, und 1940 stellten Wissenschaftler fest, daß auch die Kopfläuse bei der Übertragung der Pest beteiligt sind. Colin McEvedy beschreibt den Infektionsverlauf vom Nager zum Menschen sehr anschaulich:
"Pestbazillen kommen in geringen Mengen weltweit bei vielen wilden Nagerpopulationen vor und werden unter ihnen durch Flöhe übertragen. Für die Beulenpest ist der Indische Rattenfloh oder Pestfloh (Xenopsylla cheopis) oft als Überträger beschrieben worden. Wenn ein Floh eine infizierte Ratte beißt, nimmt er das Bakterium auf. Die Krankheitserreger vermehren sich im Verdauungstrakt des Flohs weiter und bilden eine feste, darmverstopfende Masse, so daß das Insekt kein Blut mehr verdauen kann und sozusagen Heißhunger entwickelt. Der Floh sticht das Wirtstier dann immer wieder und wandert nach dessen Tod zum nächstbesten Nager, den er sogleich infiziert, so daß sich die Krankheit rasch verbreitet. Sind die Ratten dezimiert, wechseln die Flöhe zu (anderen) Warmblütern über, darunter auch zu Menschen und Haustieren, von denen sie normalerweise nicht schmarotzen, und lösen so die Epidemie aus. Hat die Krankheit erst einmal auf Menschen übergegriffen, kann sie sich unter ihnen manchmal direkt durch Tröpfcheninfektion verbreiten. Normalerweise wird sie jedoch immer noch durch den Biß von Rattenflöhen übertragen. Die Infektionskette kann nicht ohne Nager fortbestehen, welche als Primärwirt sowohl für den Pestbazillus als auch für den Rattenfloh dienen."
An der Beulenpest, bei der sich die typischen Eiterbeulen bildeten, starben 80% der Erkrankten. Zog man sich aber die sehr ansteckende Lungenpest zu, die durch Tröpfcheninfektion übertragen wurde, bestand keine Hoffnung mehr, mit dem Leben davon zu kommen. Die Lungenpest führte schon – wie bereits erwähnt – innerhalb der ersten drei Tage nach ihrem Auftreten zum Tode ohne Ausnahme! Ihre Opfer mußten einen qualvollen Erstickungstod erleiden.
Quelle: http://www.kleio.org/de/geschichte/alltag/kap_X64.html |
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