bluemoon sweetwater Landstreicher

Geschlecht:  Anmeldungsdatum: 27.12.2010 Beiträge: 10 Wohnort: Wald von Avalon
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Verfasst am: 28.12.2010, 00:07 Titel: Die Bettler |
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Der Bettler
Wer im Hoch- und ausgehenden Mittelalter aus echter Bedürftigkeit bettelte, tat nichts Verbotenes oder Unehrenhaftes,
im Gegenteil, die Kirche sah in der Armut sogar eine Tugend, viele stürzten unverschuldet in große Not.
Allerdings hielt sich lange auch der Aberglauben, dass von den Ärmsten der Armen auch Heilkräfte ausgingen
(durch z.B. Berührung mit dem Bettlerstab) bzw. sie auch böse Flüche über Geizhälse aussprechen konnten.
Bürger und Adlige gaben gerne Almosen, um sich so ihr eigenes Seelenheil zu sichern. Die Bettler mussten sich andererseits durch
ungeschriebenes Gesetz verpflichten für die Spendenfreudigen zu beten.
Es gab Landstreicher, die bettelnd und manchmal auch stehlend durch die Gegend zogen und Stadtbettler, die sich in manchen Städten
irgendwann sogar zu regelrechten Gilden zusammenschlossen, die Reviere unter sich aufteilten und fremde Bettlerkonkurrenz
aus der Stadt fernhielten. Gelegentlich wurden sogar ein „unehrlicher Bürger“ der Stadt, z.B. der Henker oder Schinder, zu einer Art Aufseher
ernannt, der innerhalb der Bettlerschaft für „Recht und Ordnung“ sorgte und dass die Zahl der Bettelnden nicht überhand nahm, nicht zuletzt
auch, weil fremdes Volk oftmals Krankheiten in die Stadt brachte.
Besonders beliebt waren Plätze in Markt- und Kirchennähe, wo die Bettelschar entweder ruhig da stand oder saß oder gar auch in penetranter Weise die Bürger belästigte.
Die Methoden des Bettelns waren vielfältig: Nicht nur Männer, auch Frauen und Kinder waren darunter, zeigten oft echte oder
vortäuschte Verkrüppelungen und Wunden vor, erzählten mitleiderregende oder phantastische Geschichten, spielten ein Musikinstrument oder zeigten kleine Kunststücke.
Auch wurde damals auch schon von Bürgern oder Geistlichen für allerlei gemeinnützige oder kirchliche Belange gesammelt
(z.B. durch Verkauf von Ablassbriefen um einen Kirchenbau zu finanzieren). |
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